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Wie erstelle ich eine inklusive setlist für ein internationales gospelkonzert mit drei sprachen

Wie erstelle ich eine inklusive setlist für ein internationales gospelkonzert mit drei sprachen

Als jemand, die seit Jahren in der Gospelwelt unterwegs ist, habe ich gelernt: eine Setlist für ein internationales Gospelkonzert mit drei Sprachen zu erstellen, ist weniger eine mathematische Aufgabe als eine dramaturgische und kulturelle Balance. Es geht darum, Stimmen, Traditionen und das Publikum zusammenzubringen – und dabei authentisch und respektvoll zu bleiben. In diesem Beitrag teile ich meine praktische Anleitung und persönliche Erfahrungen, wie ich an so eine inklusive Setlist herangehe.

Meine Prinzipien vor dem ersten Ton

Bevor ich irgendwelche Lieder auswähle, stelle ich mir drei Fragen:

  • Wer ist unser Kernpublikum? Sind es Menschen aus drei Sprachregionen gleich verteilt oder dominieren certain communities?
  • Was ist die Absicht des Konzerts? Möchte ich feiern, trösten, zum Mitsingen einladen oder informieren?
  • Welche musikalischen Kräfte haben wir auf der Bühne? Welche Stimmen, Instrumente, Solist:innen und Chorreserven stehen zur Verfügung?
  • Diese Fragen helfen mir, Prioritäten zu setzen. Bei einem internationalen Konzert mit drei Sprachen – zum Beispiel Deutsch, Französisch und Englisch – versuche ich, jede Sprache nicht nur symbolisch, sondern inhaltlich zu integrieren.

    Sprachverteilung: Balance statt strikter Gleichheit

    Viele glauben, man müsse jede Sprache exakt zu gleichen Teilen abdecken. Ich bevorzuge eine flexiblere Herangehensweise:

  • Die erste und letzte Nummer sollten starke, leicht verständliche Stücke sein – idealerweise in einer Sprache, die viele im Publikum verstehen (oft Englisch als Lingua franca).
  • Dazwischen verteile ich Songs so, dass jede Sprache präsent ist, aber nicht in Blöcken. Ein Wechsel nach 2–3 Stücken hält die Aufmerksamkeit und signalisiert Vielfalt.
  • Wichtig ist die dramaturgische Logik: Manche Lieder funktionieren emotional besser als Abschluss, andere als Übergang oder Aufwärmer.
  • Songauswahl: Kriterien, die mir helfen

    Bei der Auswahl achte ich auf mehrere Kriterien:

  • Textverständlichkeit: Bei mehrsprachigen Sets greife ich oft zu Songs mit klarer, repetitiver Struktur – Refrains, die leicht mitgesungen werden können.
  • Kulturelle Authentizität: Wenn ich ein traditionelles Lied in einer Sprache auswähle, recherchiere ich Herkunft und Bedeutung. Manchmal ist es besser, ein Stück in der Originalsprache zu belassen, statt eine flache Übersetzung zu präsentieren.
  • Musikalische Vielfalt: Tempo, Harmonik, Rhythmus und Instrumentierung müssen sich abwechseln, damit das Programm lebendig bleibt.
  • Inklusion von Künstler:innen: Solist:innen sollen die Möglichkeit bekommen, in ihrer Muttersprache zu glänzen – das schafft emotionale Tiefe.
  • Beispiel-Setstruktur (zum Anpassen)

    Hier ein typisches Gerüst, das ich oft als Ausgangspunkt verwende. Passe es an die Länge des Konzerts und die Besetzung an.

    Intro / BegrüßungInstrumental oder kurzes Ensemblestück (langsamer Opener)
    Track 1Englisch, mit kraftvollem Refrain (Publikumshook)
    Track 2Deutsch, ruhigere Strophe, gemeinsames Refrain
    Track 3Französisch, traditioneller Groove oder Call-and-Response
    Interlude / Spoken WordKurzansprache in zwei Sprachen mit Übersetzung
    Track 4Mash-up (zwei Sprachen abwechselnd im Refrain)
    Track 5Solostück in einer der drei Sprachen
    FinaleGroßes, leicht mitsingbares Lied – idealerweise bilingual oder englisch

    Übergänge und Moderation: die unsichtbaren Brücken

    Was oft unterschätzt wird, sind die Moderationen zwischen den Liedern. Eine kurze, persönliche Ansage schafft Kontext und lädt das Publikum ein, mitzugehen. Ich mache das so:

  • Kurze Einleitung in der Sprache des nächsten Songs, dann eine Übersetzung oder Zusammenfassung in einer anderen Sprache.
  • Wenn möglich lasse ich Chormitglieder oder Solist:innen in ihrer eigenen Sprache sprechen – das erhöht die Authentizität.
  • Nonverbale Übergänge (Instrumental-Interludes, klangliche Motive) helfen, ohne lange Erklärungen die Stimmung zu halten.
  • Arrangements: einfache Tricks für Mehrsprachigkeit

    Musikalisch kann man Sprachwechsel sehr elegant lösen:

  • Call-and-Response: Eine Stimme singt in einer Sprache, der Chor antwortet in einer anderen. Das ist interaktiv und inklusiv.
  • Bilinguale Refrains: Refrains lassen sich oft leicht adaptieren – z.B. zuerst Deutsch, dann Englisch wiederholen.
  • Mash-ups und Medleys: Zwei Lieder mit ähnlicher Tonart oder harmonischem Bau lassen sich verbinden; so werden verschiedene Traditionen hörbar, ohne abrupt zu wirken.
  • Rehearsal-Tipps: Vorbereitung ist alles

    Meine Proben haben einige feste Rituale, wenn mehrere Sprachen im Spiel sind:

  • Phonetische Hilfen: Für Sänger:innen, die eine Sprache nicht sprechen, erstelle ich Aussprachehilfen und Audio-Referenzen.
  • Textübersetzungen: Jede:r auf der Bühne bekommt eine prägnante Übersetzung des Textes, damit die emotionale Intention verstanden ist.
  • Sprach-Coaching: Falls möglich, lade ich Muttersprachler:innen ein, kurze Sessions zu leiten – das erhöht die Glaubwürdigkeit enorm.
  • Technik-Check: Bei mehrsprachigen Songs ist Timing oft empfindlich – Click, Monitor-Mixes und In-Ear sind wichtig.
  • Publikumsbeteiligung: Barrieren abbauen

    Inklusivität bedeutet auch, das Publikum zu befähigen, mitzusingen oder sich zumindest verbunden zu fühlen:

  • Projektion von kurzen Textzeilen oder Refrains in allen drei Sprachen auf einer Leinwand kann sehr helfen.
  • Ein einfaches mehrsprachiges Leaflet am Einlass mit Infos und den wichtigsten Refrains schafft Nähe.
  • Bei Konzerten in kirchlichen Räumen nutze ich gedruckte Texthefte – sie sind low-tech, aber wirksam.
  • Kulturelle Sensibilität und Rechteklärung

    Beim Umgang mit Liedern aus verschiedenen Kulturen achte ich besonders auf Respekt:

  • Ich frage nach der Herkunft von traditionellen Stücken und bemühe mich um Kontext in der Moderation.
  • Bei adaptiven Übersetzungen kläre ich – wenn nötig – mit den Urheber:innen oder Verlagen die Verwendung. Plattformen wie SACEM, SUISA oder GEMA sind wichtig für die Rechteklärung.
  • Wenn wir traditionelle Lieder modern arrangieren, gebe ich Credits im Programmheft und erkläre die Transformation.
  • Technik und Sound: harmonisch, nicht laut

    Sound ist oft das, was Publikum emotional mitnimmt. Bei mehrsprachigen Konzerten gilt:

  • Achte auf Sprachverständlichkeit: Vocals sollten klar und präsent sein, damit Texte wirken.
  • Vermeide zu dichte Arrangements während sprachlich sensibler Passagen.
  • Nutze Pausen und Stille bewusst – ein einzelner Satz in der Muttersprache kann in Ruhe viel stärker wirken.
  • Die Erstellung einer inklusiven Setlist für ein internationales Gospelkonzert ist eine kreative Aufgabe, die Planung, Empathie und musikalisches Feingefühl verlangt. Jedes Konzert ist anders – und genau das macht die Arbeit so erfüllend: Wenn Stimmen und Sprachen am Ende zu einem gemeinsamen Erlebnis verschmelzen, fühle ich, warum ich diese Musik liebe.

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