Als jemand, die oft Konzerte besucht, Proben begleitet und selbst im Vokalensemble singt, habe ich viel ausprobiert, um zuhause Demoaufnahmen zu machen, die nicht wie ein enges Karaoke-Video klingen, sondern nach räumlichem, chormäßigem Klang. In diesem Text teile ich meine praktische Anleitung: welches Smartphone- und Mikrofon-Setup realistisch studioähnlichen Chorsound liefert — und wie du es ohne teures Studio hinbekommst.
Warum das Smartphone sinnvoll ist
Smartphones sind heute leistungsfähige Aufnahmegeräte: gute Vorverstärker, hochwertige AD-Wandler und einfache Apps ermöglichen saubere Aufnahmen. Für Demozwecke oder erste Hörproben reicht oft ein Smartphone mit dem richtigen Mikrofon und Raum deutlich weiter als ein teures Mikro im schlechten Raum. Wichtig ist: Das Mikrofon und die Positionierung machen den Unterschied.
Die entscheidenden Komponenten
Smartphone: iPhone (ab iPhone 8/SE 2) oder aktuelle Android-Flaggschiffe (Google Pixel, Samsung S-Serie) — sie liefern saubere Eingangsstufen und stabile Apps.Externes Mikrofon: Kondensatormikrofone (USB oder XLR) sind für Choraufnahmen meist besser als dynamische Handsänger-Mics. Stereo-Optionen (XY, ORTF, Blumlein) erzeugen natürliche Räumlichkeit.Audiointerface / Vorverstärker: Wenn du XLR-Mikrofone nutzen willst (z. B. Shure SM81, AKG C214, Rode NT1-A), brauchst du ein Interface wie das Focusrite Scarlett 2i2 oder das Zoom U-22.Aufnahme-App & Format: Nimm unkomprimiert (WAV) oder mit hoher Bitrate auf. Apps: iOS: GarageBand, Ferrite, Rode Connect; Android: BandLab, USB Audio Recorder PRO, Dolby On.Stative, Popschutz, Kabel: Gute Positionierung braucht stabile Mikrofonständer und ausreichend Kabel. Ein Windschutz ist oft hilfreich bei nahen Sängern.Praktische Setups je nach Budget
Low-Budget (unter 150 €)
Smartphone + Lavalier-Mikrofon (z. B. BOYA BY-M1) direkt ans Smartphone angeschlossenAlternativ: Stereo-USB-Mikro für Smartphone über Adapter, z. B. Shure MV5 oder Rode NT-USB Mini (mit Lightning/USB-C-Adapter)Was du erreichst: klare Stimmen, begrenzte Räumlichkeit. Gut für kleine Ensembles oder Solostimmen, die später per Overdubbing zusammengesetzt werden.
Mittleres Budget (150–500 €)
Smartphone + Shure MV88 (iOS) oder Shure MV88+ (Cross-platform). Diese Mikrofone bieten XY-Stereo, gute Vorverstärkung und steuern Richtcharakteristik.Oder: Rode VideoMic NTG + Smartphone über TRRS/USB-C-Adapter — gute Mitten, direkter Anschluss ans Telefon.Was du erreichst: deutlich räumlicherer Klang, native Stereo-Aufnahme, geeignet für 3–8 Sänger in einem Raum.
Semi-Pro (500+ €)
Smartphone + Zoom H6/Zoom H4n als eigenständiger Recorder (stereo XY-Kapsel oder externe MS/X/Y-Mikrofone). Den Zoom kannst du später als Interface ans Smartphone oder Rechner anschließen.Oder: Zwei Kondensatormikrofone in XY/ORTF (z. B. Rode NT5, AKG P170) über ein Focusrite Scarlett 2i2 zum Smartphone/Tablet (via USB-C/Lightning-Adapter) oder direkt zu einem Laptop.Was du erreichst: echter "Studio"-Sound, natürliche Stereobreite, höhere Dynamik, mehr Kontrolle beim Mix.
Raum und Positionierung — wichtiger als die teuerste Kette
Ich betone das immer: ein akustisch angemessener Raum macht mehr als ein teures Mikro. Kleine, leblose Räume klingen schroff; hohe, leicht diffusive Räume schmeicheln dem Chor.
Wähle einen Raum mit hohen Decken, nicht zu vielen glatten Flächen.Bei zu viel Hall: Teppiche, Vorhänge, Bücherregale oder portable Schallabsorber (DIY: Matratzen, Decken) nutzen.Positionierung Chor vs. Mikro: Bei einer Stereomikrofon-Aufnahme empfehle ich einen Abstand von 2–4 m zum Chor, abhängig von der Gruppengröße. Das Mikro sollte auf Ohrhöhe des durchschnittlichen Sängers ausgerichtet sein und der Chor in einer leichten Halbkreis-Formation singen.Für kleine Gruppen (3–6): näher (1,5–2 m), für größere (10+): 3–4 m.Technik: Stereo-Optionen und warum sie wichtig sind
Stereo-Aufnahme fängt die räumliche Verteilung der Stimmen ein — genau das, was einen Chor lebendig macht. Gängige Stereo-Mikrofon-Techniken:
XY (zwei Kapseln mit 90°-135°): stabil, mono-kompatibel, gute Stereobreite.ORTF (zwei Kapseln im 110°-Winkel, 17 cm Abstand): sehr natürlich für Raumabbildung.Blumlein (zwei bidirektionale Bänder, 90°): sehr räumlich, braucht aber kontrollierten Raum.Für mobile Setups ist XY (z. B. Shure MV88, Zoom XY-Kapsel) oft der beste Kompromiss: einfach, robust und gut klingend.
Gain-Staging und Aufnahme-Einstellungen
Peaks sollten bei -6 dB liegen, niemals clippen.Nimm in 24 Bit / 48 kHz auf, wenn möglich, statt komprimierter Formate.Wenn mehrere Mikrofone verwendet werden, achte auf Phasenausgleich (Abstand, Polung). Eine kleine Verschiebung von Mikrofonpositionen kann Phasenprobleme lösen.Monitoring und Referenzen
Nutze geschlossene Kopfhörer (z. B. Audio-Technica ATH-M50x) beim Monitoring, um Bleed zu vermeiden.Höre Referenzaufnahmen ähnlicher Ensembles und passe EQ/Reverb daran an — nicht alles muss extrem trocken sein, ein dezenter Raumklang macht den Unterschied.Mixing-Tipps für chorausgerichtete Demos
Leichte High-Pass-Filter bei 80 Hz, um Rumpelfrequenzen zu entfernen.Subtile Höhenanhebung (+2–3 dB um 5–8 kHz) für Präsenz, aber vorsichtig mit Sibilanten.Mittige Verstärkung der Hauptstimmen, Nebenstimmen leicht pannen, um Breite zu erzeugen.Reverb: Plate- oder Hall-Plugins, 1–2 s Pre-Delay, moderate Dichte — zu viel Hall macht den Chor unverständlich.Kompression: sanft (Ratio 2:1–3:1) auf dem Bussen, um die Dynamik zu zähmen, nicht zu „pumpen”.Konkrete Equipment-Empfehlungen, die ich persönlich getestet oder häufig gehört habe
| Budget | BOYA BY-M1 (Lavalier), Shure MV5 |
| Mittelklasse | Shure MV88 / MV88+, Rode NT-USB Mini, Zoom H4n |
| Semi-Pro | Zoom H6, Rode NT5 (stereo), Focusrite Scarlett 2i2 + Kondensatoren |
Wenn du mobil bleiben willst, ist das Shure MV88+ in Kombination mit einem iPhone oder Android-Gerät ein sehr überzeugender Allrounder. Für maximale Qualität ohne Kompromisse ist ein kleines Interface mit zwei guten Kleinmembran-Kondensatoren in XY oder ORTF meine erste Wahl.
Spezielle Tipps für Gospel- oder Choraufnahmen
Betone dynamische Übergänge: Gospel lebt von Ausdruck — nimm mit genügend Headroom auf.Interview-Style-Mikros für Solisten (z. B. Shure SM58 mit direktem Interface) während der Hauptaufnahme können später separat bearbeitet werden.Layering: Wenn möglich, nimm mehrere Takes oder overdubbe Backgrounds für dichtere Klänge ohne Phasenprobleme.Wenn du willst, beschreibe mir dein Budget, die Raumgröße und die Anzahl Sänger — dann skizziere ich dir ein konkretes Setup mit Produktlinks und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung fürs Recording. Ich freue mich, deine nächste Demo mitzugestalten.