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Wie verhandle ich faire Gagen und Nutzungsrechte, wenn ich Gastkünstlerinnen aus Afrika für ein kleines Festival einlade

Wie verhandle ich faire Gagen und Nutzungsrechte, wenn ich Gastkünstlerinnen aus Afrika für ein kleines Festival einlade

Wenn ich Gastkünstlerinnen und -künstler aus afrikanischen Ländern für ein kleines Festival einlade, stelle ich mir von Anfang an die Frage: Wie verhandle ich fair — sowohl bei der Gage als auch bei den Nutzungsrechten? Diese Frage ist praxisrelevant, sensibel und erfordert Vorbereitung, Transparenz und Respekt für kulturelle, rechtliche und ökonomische Unterschiede. In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen, praktische Tipps und konkrete Formulierungs-Vorschläge, die euch helfen können, faire Vereinbarungen zu treffen.

Vorbereitung: Was ich vorher kläre

Bevor ich überhaupt in Verhandlungen gehe, sammele ich Informationen. Das hilft mir, nicht mit wilden Zahlen um mich zu werfen und zeigt den Künstlern, dass ich ihre Arbeit ernst nehme.

  • Budget und Prioritäten: Wie viel Gesamtbudget habe ich? Wie priorisiere ich Honorar vs. Reisekosten vs. Unterkunft?
  • Art des Auftritts: Ist es ein Hauptact, ein Workshop, eine Kirchen-Performance oder ein Community-Event? Länge und Setting beeinflussen die Gage stark.
  • Visum, Arbeitsbewilligung und Steuern: Welche administrativen Schritte sind nötig? Wer übernimmt Gebühren oder Unterstützungsarbeit?
  • Rechteklärung: Möchte ich den Auftritt aufnehmen, live streamen, Fotos verwenden oder Tonaufnahmen veröffentlichen? Brauche ich dafür zusätzliche Freigaben?
  • Künstlerische Erwartungen: Brauchen die Gäste Backline, PA, spezielle Instrumente oder Temperaturoptimierung?

Transparenz von Anfang an

Ich schreibe in der ersten Nachricht an die Künstlerinnen meist klar, welches Budget verfügbar ist und welche weiteren Benefits ich bieten kann (z. B. Flug, Unterkunft, Verpflegung, Transport, Promo). Wenn Menschen wissen, worauf sie sich einlassen, entstehen weniger Missverständnisse.

Gagenmodelle: Pauschale vs. Umsatzbeteiligung

Ich arbeite je nach Situation mit drei Modellen:

  • Pauschale (Flat Fee): Ein fixes Honorar für Auftritt, Proben und ggf. Workshops. Am einfachsten und für viele Künstlerinnen die bevorzugte Lösung.
  • Gage + Spesen: Honorar + Übernahme von Flug, Visum, Unterkunft, Verpflegung, Transport vor Ort.
  • Gage + Zusatzbeteiligung: Kleinere Grundgage + prozentuale Beteiligung an Ticketverkäufen, Merchandise oder Streaming-Einnahmen (komplizierter abzurechnen).

Für kleinere Festivals empfehle ich oft eine klare Pauschale plus alle Spesen. Das reduziert administrativen Aufwand und bietet Sicherheit für beide Seiten.

Währung und Zahlungswege

Wichtig: Viele afrikanische Künstlerinnen bevorzugen Zahlungen in einer stabilen Währung (EUR, USD) und haben begrenzten Zugang zu internationalen Banking-Optionen. Ich kläre:

  • In welcher Währung wird bezahlt?
  • Welche Zahlungswege bevorzugen sie? (Wise, PayPal, Banküberweisung, Barzahlung bei Ankunft)
  • Wie handhaben wir Wechselkursverluste?

Nutzungsrechte — die zentralen Fragen

Nutzungsrechte sind oft der komplizierteste Punkt. Ich unterscheide zwischen folgenden Rechten:

  • Live-Aufnahme: Aufnahme des Konzerts vor Ort (Audio/Video).
  • Veröffentlichung: Veröffentlichung der Aufnahmen (YouTube, Streaming, CD).
  • Werbliche Nutzung: Fotos oder Clips in Promo-Material.
  • Synchronisations- und Senderechte: TV-Runs, Radio, Festivalfilm.

Meine Faustregel: Alles, was über Live-Streaming zur Ankündigung hinausgeht, erfordert eine klare, schriftliche Vereinbarung und in der Regel zusätzliche Vergütung. Ich frage konkret:

  • Für welche Dauer soll die Aufnahme genutzt werden? (z. B. 6 Monate, 2 Jahre, unbefristet)
  • Welche Gebiete sind eingeschlossen? (Deutschland/Schweiz, Europa, weltweit)
  • Ist die Nutzung exklusiv?
  • Sind Bearbeitungen erlaubt?

Praktische Vertragsbestandteile, die ich immer einbaue

Ich nutze einen einfachen, klaren Vertrag – keine lange Juristensprache –, der folgende Punkte abdeckt:

  • Leistungsbeschreibung (Datum, Uhrzeit, Dauer, Soundcheck, Workshop)
  • Gage und Zahlungsmodalitäten (Datum der Anzahlung, Restzahlung)
  • Übernahme von Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und Transport
  • Nutzungsrechte: Art, Dauer, Gebiet, Plattformen und Vergütung bei Veröffentlichung
  • Haftung, Versicherung und medizinische Notfälle
  • Visum- und Arbeitserlaubnisverantwortlichkeiten
  • Stornobedingungen und höhere Gewalt

Beispieltabelle: Typische Kostenaufteilung für ein kleines Festival

PositionBeispiel (CHF)Kommentar
Artist Fee (Solo/Band)500–2'000Abhängig von Bekanntheit und Länge
Flug & Visum600–1'500Je nach Herkunftsland
Unterkunft (3 Nächte)150–450Einzel-/Mehrbettzimmer
Tagespauschale (Per Diem)30–60/TagPro Person
Transport vor Ort50–200Abholung, Transfers

Kulturelle Sensibilität und Respekt

Verhandeln heißt auch: zuhören. Manchmal sind für Künstlerinnen andere Dinge wichtiger als Geld — etwa die Möglichkeit, Workshops in lokalen Schulen zu geben, Equipment zu testen oder professionelles Promo-Material zu erhalten. Ich frage nach ihren Prioritäten und versuche, Angebote kreativ zu kombinieren.

Rechteverwaltung in Afrika: Woran ich denke

Viele afrikanische Länder haben eigene Verwertungsgesellschaften oder arbeiten mit internationalen Partnern. Ich frage immer:

  • Sind die Künstlerinnen bei einer Verwertungsgesellschaft angemeldet?
  • Gibt es bereits laufende Verträge mit Labels, die Veröffentlichungsrechte betreffen?
  • Benötigen sie lokale Releases oder Genehmigungen für Live-Streams?

Wenn Unsicherheit besteht, ist ein kurzer Rechtscheck oder das Hinzuziehen einer NGO mit Erfahrung in Kulturarbeit (z. B. British Council, Goethe-Institut, Institut français) sinnvoll.

Praxis-Tipps für die Verhandlungsführung

  • Sei offen und ehrlich: Nenne Budgetgrenzen, aber höre auf Gegenangebote.
  • Verhandle fair, nicht billig: Eine niedrige Gage schadet langfristigen Beziehungen.
  • Schreibe Vereinbarungen: Mündliche Absprachen sind oft nicht ausreichend.
  • Biete Zusatzwert: Presse, Foto-/Videomaterial, Vernetzung mit lokalen Ensembles.
  • Plane Puffer: Für Verzögerungen bei Visa, Flügen oder Krankheit.

Konkrete Formulierungsvorschläge für Nutzungsrechte

Ein kurzes Beispiel für eine Passage im Vertrag, die ich oft nutze:

“Der Veranstalter erhält das nicht-exklusive Recht, Audio- und Videoaufnahmen des Auftritts für Promotionzwecke auf den eigenen Social-Media-Kanälen und der Festival-Website für die Dauer von 12 Monaten zu nutzen. Jede weitergehende Nutzung (z. B. weltweite Veröffentlichung, Verkauf, Synchronisation in Film/TV) bedarf einer gesonderten schriftlichen Vereinbarung und Vergütung.”

Wenn die Künstlerinnen zustimmen, kann man eine Option hinzufügen: “Für eine zusätzliche Pauschale von X wird das Recht auf weltweite, unbefristete Nutzung eingeräumt.”

Langfristige Beziehungen statt kurzfristiger Deals

Ich habe gelernt, dass besonders bei internationalen Gästen Vertrauen und Wiederholungsgeschäfte wichtiger sind als einmalige Einsparungen. Gutes Verhalten zahlt sich aus: Empfehlung, Co-Produktionen, gemeinsame Projekte. Wenn ich fair verhandle und transparent bin, entsteht oft eine Partnerschaft, die mehr Wert schafft als jede einzelne Gage.

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